80 Jahre Radio in Deutschland
Die erste Radiosendung wurde am Weihnachtsabend des Jahres 1906 ausgestrahlt. Damals konnte man auf den Schiffen, die im New Yorker Hafen lagen, klassische Musik und Bibelzitate empfangen. Aber schon 1922 gab es in den USA über 220 Rundfunkstationen und 2,5 Millionen Rundfunkgeräte. Im Äther des damaligen Deutschen Reiches herrschte hingegen noch Funkstille - solange, bis alle Rechts- und Kompetenzfragen zwischen Behörden, Ministerien, der Reichspost und den Radioproduzenten geklärt waren. Zum „Starterset“ des deutschen Rundfunks gehörten eine Antenne auf einem Dachboden und ein einziges Radiogerät. Am 29. Oktober des Jahres 1923 meldetet sich um 20 Uhr die „Deutsche Stunde“ aus dem Vox-Haus in Berlin mit einer einstündigen Unterhaltungssendung. Erst zwei Tage später - am 31. Oktober 1923 - erhielt der erste deutsche Bürger, Wilhelm Kollhof, – man kennt heute noch seinen Namen- die amtliche Genehmigung zum privaten Rundfunkempfang.
20 Jahre Offene Kanäle in Deutschland
Seit jenen Gründerjahren hat sich das Medium Radio allerdings auch in Deutschland rasant entwickelt. Es hat sich immer wieder gewandelt und konnte sich gegen die Konkurrenz zunächst des Fernsehens und nun auch des WorldWideWebs behaupten. Heute im 21. Jahrhundert kann der Einzelne angesichts des überbordenden medialen Angebotes an Informationen und Unterhaltung auf unzähligen Kanälen und Frequenzen leicht die Orientierung verlieren. Dabei hatte nach dem Ende des 2. Weltkrieges alles ganz übersichtlich angefangen. Die Westalliierten installieren nach dem bewährten BBC Modell sechs öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten. Diese schlossen sich 1950 zur ARD zusammen. Die Gründung des ZDF im Jahre 1963 war ein erster Schritt hin zu mehr Auswahlmöglichkeiten an den Programmschaltern in bundesdeutschen Wohnzimmern. Rund 20 Jahre später bekam der deutsche Medienbaukasten nochmals Zuwachs. „Die Privaten“ betraten die Medienbühne oder besser, den Medienmarkt. Seitdem spricht man in Deutschland von einem dualen System – also ein von unseren Rundfunkgebühren und ein durch Werbeeinnahmen finanzierter Rundfunk. Es gibt natürlich noch andere Unterschiede. Aber darauf wollen wir hier nicht weiter eingehen. Und streng genommen ist das System auch gar nicht dual. Denn mit den privaten Sendern ging auch eine „dritten Art“ - der Bürgerfunk - in den Kabelversuch. Und hat den Test bestanden. Über 140 Bürgerfunkprojekte sind heute in Deutschland ein fester Bestandteil der Medienlandschaft. Das sind sowohl Fernseh- als auch Radiostationen in denen die Menschen ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen. Finanziert wird die dritte Säule des dualen Rundfunks durch einen Teil der Rundfunkgebühren.
Fünf Jahre Radio Funkwerk
In den alten Bundesländern kann der Bürgerfunk also schon auf eine 20jährige Tradition zurückblicken. In den neuen Bundesländern wurde der Rollenwechsel vom Konsumenten zum Produzenten erst mit der Unterzeichnung des Rundfunkstaatsvertrages von 1991 möglich. So ging 1996 in Thüringen der erste Offener Kanal auf dem Gebiet der ehemaligen DDR - das Bürgerfernsehen Gera - im Kabelnetz auf Sendung. Nachdem die gesetzlichen Grundlagen auch für eine terrestrische Verbreitung von Bürgerradio geschaffen waren, ging 1999 Radio Funkwerk in Erfurt und Weimar on air. Die Thüringer Landesmedienanstalt stellte die Frequenzen zur Verfügung und richtete Radio Funkwerk als Offenen Kanal in eigener Trägerschaft ein. Im Rahmen dieses Offenen Kanals war es dann möglich, Sendefenster der Frequenz an zwei Nichtkommerzielle Lokalradios zu vergeben. Das sind Radio F.R.E.I. in Erfurt und Radio Lotte in Weimar. Auch diese beiden Radios werden von der Thüringer Landesmedienanstalt finanziert und lizenziert. Das stellt sich die Frage: eine Frequenz und ein Geldgeber, aber zwei Formen von Bürgerradio? Ein Bürgerradio ist Radio von Bürgern für Bürger. Aber auch da gibt es Unterschiede. Und die bestehen vor allem in der Zugangsoffenheit, wie es der Gesetzgeber formuliert. Nichtkommerzielle Lokalradios haben einen Programmverantwortlichen, der entscheidet und verantwortet, was gesendet wird. Bei einem Offenen Kanal, so wie es Radio Funkwerk ist, ist jeder Produzent für seinen Sendebeitrag selbst verantwortlich. Seit fünf Jahren haben mehr als 1300 Menschen als Moderatoren und Redakteure von der Lizenz zum Selber-Radiomachen Gebrauch gemacht und sehr erfolgreich ihr Programm gestaltet.
|