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Studioschulung
Radioschnellkurs
1. Nur wer zuhört, kann mitreden!!!
Wer Radio machen will, sollte zunächst einmal Radio hören. Aber nicht nur der eigene Lieblingssender sollte gehört werden. Um sich gut über die Radiolandschaft zu informieren, sollte man sie durchwandern. 210 Radioprogramme gibt es in Deutschland, davon 50 öffentlich-rechtliche und 160 private Sender. Dazu kommen ca. 73 Offenen Kanäle. Höre dich einfach um und entdecke die Möglichkeiten eines Radiomachers.
2. Bin ich 'radiogen'? Raus mit der Sprache! Teste dich selbst.
1. Nimm dir einen Text aus der Zeitung und einen Kassettenrecorder mit einem Mikrofon und lies den Text laut vor. Sprich so, wie du im Radio sprechen würdest. Hör deine Aufnahme an und beantworte dir folgende Fragen:
- Wie klingt meine Stimme?
- Kann ich laut vorlesen?
- Habe ich einen Dialekt und wie stark?
- Habe ich einen Sprachfehler?
2. Versuche frei zu sprechen. Lies eine kurze Zeitungsmeldung und erzähle den Inhalt dann nach. Dann beantworte folgende Fragen:
- Habe ich etwas wichtiges vergessen?
- Konnte ich flüssig erzählen oder bin ich ins Stocken geraten?
- War die Reihenfolge logisch?
- Welche Stimmung habe ich erzeugt? (lebendig, unterhaltsam, langweilig, konfus)
Keine Panik. Der Test fällt meistens ziemlich bescheiden aus und sagt auch noch nichts Verbindliches über dein Können. ABER: Du bekommst einen Eindruck, wie kompliziert Radio ist, und dass es nicht damit getan ist, seine Platten von zu Hause mitzubringen, ein bisschen dufte Musik zu machen, und dann läuft alles automatisch. (Zitat: Günter Jauch, Journalist, Radio- und Fernsehmoderator)
3. Mein Hörer und ich - ich und mein Hörer
Was bedeutet eigentlich Moderator?
Moderator heißt soviel wie Vermittler oder Mittelsmann. Moderatoren vermitteln den Hörern das Radioprogramm. Moderieren heißt mit dem Hörer reden. Wenn du redest, unterbrichst du das Musikprogramm! Deshalb sollte das, was du zu sagen hast wichtig, wenigstens unterhaltsam sein und sehr gut vorgetragen werden.
Wer ist eigentlich mein Hörer?
Einfach in den leeren Raum reden liegt nicht in der Natur des Menschen. Zu einem Dialog gehören immer zwei. Also stell dir jemanden vor, mit dem du redest. Auch wenn du seine Antworten nicht hörst, kannst du dir vorstellen, wie dein "Gesprächspartner" reagieren könnte. Dadurch sprichst du automatisch anders. Du wirst persönlicher, eindringlicher und möchtest "verstanden werden". Du sprichst mal schneller, mal langsamer, betonst richtig und klingst nicht gespreizt und überheblich.
Wenn du ein guter Moderator sein willst, sollten dich deine Hörer sympathisch finden. Am besten ist, du bist einfach du selbst und versuchst nicht dich zu verstellen. Eine einfache Faustregel: Sprich deine Hörer direkt an, sei glaubwürdig und biedere dich nicht an.
4. Die Stimme muss stimmen
Um deine Stimme zu trainieren, gibt es verschiedene Übungen. Ganz wichtig ist in jedem Fall, sämtliche Texte von der Gute-Nacht-Lektüre bis zum Brief Deiner Oma immer laut zu lesen. Überprüfe deine Betonung und übe den Ausdruck in deiner Stimme. Sprich mal traurig, lustig, wütend und sachlich.
Bevor du anfängst zu moderieren, entspanne deinen Mund. Gute Übungen hierfür sind:
1. Gähnen
2. Wackelpudding: Lass den Unterkiefer fallen und schüttle den Kopf - die ganze Mundpartie wackelt sich locker.
3. Autofahren: die Lippen locker geschlossen halten und die Luft rauspressen. Die Lippen müssen vibrieren.
4. Der Korken: Klemm dir einen Korken zwischen Ober- und Unterlippe und lies einen Text laut vor. Danach artikulierst du die Vokale besser.
5. Der Bleistift: Lege dir einen Bleistift auf die Oberlippe und klemme ihn dann beim Lesen eines Textes fest zwischen Oberlippe und Nase ein.
Damit dir die Luft beim Sprechen nicht ausgeht, trainiere deine Atemtechnik:
1. Atme ganz tief aus. Atme nun langsam ein - in das Zwerchfell hinein. Der Bauch muss sich beim Einatmen vorwölben, nicht der Brustkorb. Zur Kontrolle legst du die Hand auf den Bauch.
2. Halte 4 Sekunden den Atem an. Danach wieder langsam ausatmen. Den Rhythmus Einatmen, Luftanhalten, Ausatmen 5-6 mal wiederholen. (Diese Übung ist auch gut gegen Lampenfieber).
3. Lass den Ton raus. Erst einatmen und dann auf einen Vokal ausatmen.
Die Radiosprache
Schreiben wie geredet und nicht reden wie gedruckt, denn was sich gut liest, lässt sich noch lange nicht gut anhören.
5. Faustregeln
1. Bandwurmsätze werden zerlegt. Pro Satz eine Kernaussage. Kein Satz sollte in der Regel mehr als 10 Wörter haben.
2. Alles Überflüssige weglassen. Einfache Radioregel: Die Hör-Minute am Lautsprecher ist durchschnittlich dreimal so lang, wie die Sende-Minute vorm Mikrophon. D.h., beim Zuhören kommt einem die Zeit viel länger vor als beim Selber-Sprechen.
3. Weniger Substantive - mehr Verben. Dadurch wird die Aussage schneller auf den Punkt gebracht und der Hörer kann dem Gesagten besser folgen.
4. Keine Floskeln einschleifen lasse. Floskeln nerven den Hörer.
5. Sparsam mit Synonymen umgehen, denn nicht Abwechslung, sondern Wiederholung schafft Verständnis.
Wie plane ich meine Sendung?
Das Konzept ist entscheidend: Ohne Konzept sollte sich kein Moderator in die Sendung setzten. Du musst dir also vorher Gedanken machen, was du dem Hörer mitteilen willst. Dazu hast du Texte vorbereitet oder Stichworte aufgeschrieben. Vor jeder Moderation liest du dir den Text laut vor und ordnest Deine Gedanken. Regel: Erst denken - dann reden.
Begrenzte Sendezeit: Du hast nur eine begrenzte Sendezeit, also musst du dir einen zeitlichen Ablaufplan erstellen, damit du Beiträge, Moderationen und Musik sinnvoll unter einen Hut bringen kannst.
Wichtige Fragen: Wie fange ich an? Was kommt als nächstes? Wie und wo finde ich das nächste Sendeelement? Worauf muss ich mich jetzt vorbereiten? Wie hört der Titel auf? Wie fängt der nächste Titel an? Wie und wann muss ich mit der Sendung aufhören?
Moderationsregel: Du musst immer mindestens drei Schritte im Voraus denken.
Beispiel: Es läuft Musik - du hast noch 2 Minuten Zeit. Als nächstes kommt ein vorproduzierter Beitrag.
1. Hab ich die Anmoderation?
2. Ist der Beitrag vorhanden?
3. Habe ich die nächste Musik eingelegt?

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